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Für jeden Song ein Sound – oder reicht eine Handvoll Presets?

Synthesizer-Display mit Preset-Liste

Die Handvoll-Presets-Fraktion

Die Idee klingt verlockend: "Zehn Presets", die irgendwie zu allem passen. Ein warmes Pad. Ein cleaner Rhodes. Ein fetter Synth-Lead. Fertig.

Für manche Genres funktioniert das tatsächlich. Jazz, Singer-Songwriter, Eigenkompositionen – da hast du Spielraum. Oder wenn du das Genre der Songs vollständig veränderst und das auch so verkaufst. Dann darf ein Keyboard-Sound eben klingen wie er will – und das kann sogar ein Alleinstellungsmerkmal sein.

Warum Top-40 eine andere Sache ist

In einer Coverband, die Top-40-Gigs spielt, gelten andere Regeln. Und hier ist ein wichtiger Punkt, den viele übersehen: Es ist nicht das Publikum, das Originalsounds erwartet – es ist der Veranstalter.

Der Veranstalter bucht eine Coverband, weil er ein bestimmtes Produkt verkauft: Wiedererkennbarkeit. Songs, die die Leute kennen und so klingen, wie sie sie kennen.

Man stelle sich vor: Jump von Van Halen durchgespielt auf einem Klavier. Oder The Final Countdown auf einer Orgel. Technisch vielleicht interessant – aber das ist nicht das, wofür du gebucht wurdest.

Das bedeutet nicht, dass es keine Ausnahmen gibt. Wenn du dein Konzept entsprechend positionierst und der Veranstalter das so kauft, ist alles offen. Aber dann ist es eine bewusste Entscheidung – keine Verlegenheitslösung.

Mein Weg: Nah ans Original – aber nicht sklavisch

Ich programmiere für jeden Song einen eigenen Sound. Das ist meine Überzeugung nach 30 Jahren auf der Bühne.

Aber nah ans Original bedeutet nicht identische Kopie um jeden Preis. Es gibt gute Gründe, bewusst abzuweichen:

Spielbarkeit. Manchmal ist ein Originalklang mit zwei Händen schlicht nicht reproduzierbar. Im Studio wurden mehrere Takes übereinandergelegt, Velocity-Layering eingesetzt oder das Arrangement für zehn Finger geschrieben. Live spielst du alleine. Dann nimmst du einen Sound, der das Wesentliche trifft – und spielbar ist.

Persönlicher Geschmack. Ja, den gibt es. Und er darf mitspielen.

Ein konkretes Beispiel: Ohne Dich von Münchener Freiheit. Den Originalsound mag ich schlicht nicht. Er klingt für mich nach einer bestimmten Ära, die ich nicht attraktiv finde. Also habe ich einen eigenen Weg gewählt – er klingt nach dem Song, ist aber mein Sound. Das Publikum erkennt ihn trotzdem. Mission erfüllt.

Die eigentliche Frage hinter der Frage

Wenn jemand sagt, er kommt mit einer Handvoll Presets aus, frage ich immer: Für welche Musik? Und für wen spielst du?

Das sind die entscheidenden Fragen. Die Antwort darauf bestimmt, wie du dein Setup aufbauen solltest – nicht irgendeine allgemeine Regel.

Was denkst du?

Ich bin gespannt auf deine Meinung – schreib mir hier in den Kommentaren oder drüben in der YouTube Community: Wie viele Sounds spielst du live? Und hast du mal einen Song bewusst anders klingen lassen als das Original?

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