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Korg Kronos: 10 Funktionen, die dir live mehr bringen, als du denkst

Thorsten Hillmann am Korg Kronos beim Stadtfest Unna

Der Korg Kronos ist seit über zehn Jahren auf unzähligen Bühnen im Einsatz – und trotzdem nutzen die meisten Keyboarder nur einen Bruchteil davon. Nicht, weil der Rest unwichtig wäre, sondern weil er tief in Menüs steckt, die man im Probenalltag nie aufmacht.

Ich spiele den Kronos selbst live und baue seit Jahren Coversounds dafür. Hier sind zehn Funktionen, die viele nicht kennen – sortiert danach, wie viel sie dir auf der Bühne wirklich bringen. Ohne Fachchinesisch, mit einem konkreten Tipp pro Punkt.

Auf der Bühne: Was dir beim Gig sofort hilft

1. Soundwechsel ohne Abriss (Smooth Sound Transitions)

Wenn du den Sound wechselst, klingen gehaltene Töne und Effekt-Fahnen wie Hall oder Delay einfach weiter. Der nächste Sound ist trotzdem sofort spielbar. Das funktioniert im Program-, Combi- und Set-List-Modus.

Praxis-Tipp: Halte am Songende den letzten Pad-Akkord mit dem Sustain-Pedal und schalte schon zum nächsten Song. Das Publikum hört keinen Bruch. Beachte nur: In diesem Moment teilen sich beide Sounds die Stimmen. Bei sehr dichten Sounds lohnt ein Blick in meinen Artikel zur Polyphonie des Kronos.

2. Notizen direkt im Set-List-Slot

Jeder Slot in der Set List hat ein eigenes Kommentarfeld. Dort passen Akkordfolgen, Einsätze, Tonarten oder Hinweise wie „Solo nach 2. Refrain“ rein. Die Schriftgröße stellst du pro Slot ein – von klein bis sehr groß. Wischst du im Kommentarfeld nach unten, belegt der Text kurz den ganzen Bildschirm. Außerdem kannst du wählen, ob 4, 8 oder 16 Slots pro Seite angezeigt werden: Wenige Slots heißt große Tasten und viel Platz für Text.

Praxis-Tipp: Schreib nur das rein, was du auf der Bühne in zwei Sekunden lesen musst: Tonart, Einsatz und Pedal-Hinweise. Alles andere lenkt ab. Wer lieber mit Tablet arbeitet, findet im Artikel Keyboard intern oder iPad? den Vergleich.

3. Transponieren pro Slot

Jeder Set-List-Slot kann eine eigene Transpose-Einstellung haben. Die Sängerin will den Song einen Ganzton tiefer? Du stellst das im Slot ein, speicherst die Set List – fertig. Der Sound selbst bleibt unverändert, alle anderen Songs auch.

Praxis-Tipp: Teste das in der Probe vor allem bei Combis mit Drum-, Arpeggio- oder Effektsounds. Dort hörst du sofort, ob das Ergebnis passt. Und vergiss nicht, die Set List zu speichern – sonst ist die Einstellung nach dem Ausschalten weg.

4. Mit einer USB-Computertastatur schreiben

Am USB-A-Anschluss kannst du eine normale Computertastatur anschließen und damit Namen, Kommentare und Notizen eingeben. Das geht deutlich schneller als mit der Touchscreen-Tastatur.

Praxis-Tipp: Beschrifte eine komplette Set List am Stück, zum Beispiel am Abend vor der Generalprobe. Die Tastenbelegung entspricht nicht immer einer deutschen Tastatur – tippe vorher kurz Umlaute, Y und Z an.

Klang und Effekte: Mehr aus deinen Sounds holen

5. Bis zu 16 Effekte gleichzeitig

Der Kronos rechnet bis zu 12 Insert-Effekte, 2 Master-Effekte und 2 Total-Effekte gleichzeitig. Die Insert-Effekte sitzen direkt am Sound – wie ein Pedalboard, das du jedem Klang einzeln mitgeben kannst. Master-Effekte sind typischerweise Hall und Delay für alle Sounds. Total-Effekte liegen ganz am Ende der Kette.

Praxis-Tipp: Ein EQ als Total-Effekt hilft, alle Sounds einer Combi klanglich aufeinander abzustimmen. Ein Kompressor an dieser Stelle gleicht zusätzlich Lautstärkesprünge aus – aber setz ihn vorsichtig ein und nur dann, wenn der Sound seine Dynamik wirklich nicht braucht, etwa bei Flächen oder Begleit-Pads. Bei Piano, E-Piano oder Orgel mit Schweller kostet er dich Ausdruck. Im Zweifel lieber weglassen und die Lautstärke im Sound selbst anpassen.

6. Die Polyphonie ist keine feste Zahl

Im Prospekt stehen Stimmenzahlen pro Klangerzeugung, aber im Betrieb teilt der Kronos seine Rechenleistung dynamisch auf. Wie viele Stimmen du wirklich hast, hängt davon ab, welche Engines gerade laufen und wie die Sounds aufgebaut sind. Ein aufwendiges Piano kostet mehr als eine einfache Orgel.

Praxis-Tipp: Wenn Töne plötzlich abreißen, liegt es fast nie am Gerät, sondern an der Kombination der Sounds. Was du dagegen tun kannst, steht im Artikel Maximale Polyphonie des Korg Kronos.

7. KARMA ist mehr als ein Arpeggiator

KARMA erzeugt und verändert MIDI-Daten in Echtzeit: Riffs, Gitarren-Strums, Drum-Grooves und Begleitfiguren, die auf dein Spiel reagieren. Ein klassischer Arpeggiator spielt dagegen nur gehaltene Töne der Reihe nach ab.

Praxis-Tipp: Für die meisten Coversongs brauchst du KARMA nicht. Wenn ein Song aber eine durchlaufende Synth-Figur hat und ihr ohne Backing-Track spielt, ist KARMA oft die elegantere Lösung als ein Sequenzer.

8. MOD-7 lädt originale DX7-Sounds

MOD-7 ist die FM-Klangerzeugung des Kronos – eine stark erweiterte DX7. Sie kann zusätzlich Samples als Klangquelle nutzen und Signale frei verschalten. Das Beste für Cover-Keyboarder: MOD-7 kann DX7-Sounds importieren.

Praxis-Tipp: Für 80er-Songs muss der E-Piano- oder Bass-Sound nicht nachgebaut werden. Wenn es den Original-Patch als DX7-Datei gibt, ist er in wenigen Minuten im Kronos.

Speicher und Daten: Was im Hintergrund wichtig ist

9. Eigene Samples direkt von der SSD streamen

Für die User-Sample-Bank kannst du „Virtual“ einstellen. Dann streamt der Kronos deine Samples direkt von der internen SSD, statt sie komplett in den Arbeitsspeicher zu laden. So passen laut Korg bis etwa zehnmal mehr Sampledaten rein, als der RAM allein hergeben würde.

Praxis-Tipp: Das ist vor allem für große Pianos und gesampelte Original-Sounds interessant. Wie du Sounds und Samples sauber installierst, zeige ich Schritt für Schritt in der Kronos-Installationsanleitung.

10. Daten übers Netzwerk statt per USB-Stick

Mit einem kompatiblen USB-Ethernet-Adapter kannst du den Kronos ins Netzwerk hängen und große Sampledaten per FTP zwischen Rechner und Keyboard austauschen. Bei mehreren Gigabyte geht das deutlich schneller und bequemer als mit dem Stick.

Praxis-Tipp: Nicht jeder Adapter funktioniert. Prüf vor dem Kauf die Kompatibilitätsliste bei Korg. Für einzelne PCG-Dateien bleibt der USB-Stick die einfachere Lösung.

Fazit: Erst die Bühne, dann die Technik

Wenn du nur drei Punkte aus dieser Liste umsetzt, dann diese: sanfte Soundwechsel, Notizen im Slot und Transpose pro Slot. Das kostet dich einen Probenabend und spart dir bei jedem Gig Stress.

Du willst nicht jeden Sound selbst bauen? In meinem Shop findest du fertige Kronos-Coversounds, die für den Live-Einsatz optimiert sind – einfach laden und spielen. Und falls du beim Laden hängst: Warum die Reihenfolge beim Speichern so wichtig ist, erkläre ich in Das PCG-Speichersystem des Kronos.

Häufige Fragen

Gelten die Funktionen für alle Kronos-Modelle?

Ja, mit aktuellem Betriebssystem stehen alle zehn Funktionen auf jedem Kronos zur Verfügung. Wenn dein Kronos noch nie aktualisiert wurde, lohnt sich ein Update. Vorher bitte ein Backup machen.

Gehen dabei meine eigenen Sounds verloren?

Nein, keine der Funktionen löscht Sounds. Trotzdem gilt vor jeder größeren Änderung: einmal komplett sichern.

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